Praxisbeispiel Linkbait: Funktionieren Gewinnspiele als Rankingboost?
Von der Möglichkeit, mit einem Gewinnspiel gezielt Links aufzubauen, haben sicher alle, die im Bereich SEO unterwegs sind, schonmal gehört. Der eine oder andere wird eine solche Aktion womöglich bereits mehr oder weniger erfolgreich durchgeführt haben, oder seinen Kunden als gute Möglichkeit für den Aufbau organischer Links vorgeschlagen haben.
Doch funktioniert soetwas überhaupt? Gibt es vielleicht etwas, dass ich dabei beachten muss? Nachfolgend möchte ich an einem Beispiel aus der Praxis zeigen, was eine derartige Aktion erreichen kann und was man falsch, oder besser machen kann.
Hinweis: Zunächst einmal sei angemerkt, dass es sich hierbei NICHT um einen MEINER Kunden handelt. Daher habe ich auch beschlossen, die Domain nicht zuveröffentlichen. Falls Ihr aufgrund der veröffentlichten Daten die Domain herausbekommt, behaltet diese bitte für euch.
Das Ziel: Verbesserung der Sichtbarkeit

Der Sichtbarkeitsindex der Domain im Verlauf - Der rote Pfeil zeigt an, wann die Gewinnspielaktion startete
Klar, im Endeffekt zielt jede SEO-Maßnahme auf eine Verbesserung der Sichbarkeit ab. Meist sollen mit derartigen Aktionen einzelne Rankings ganz gezielt gepusht werden, wenn dabei die gesamte Seite an Power, Trust und Sichtbarkeit zulegt, nimmt man das natürlich gerne mit. In der Grafik sieht man den SISTRIX-Sichtbarkeitsindex der Domain im Verlauf. Der rote Pfeil zeigt an, wann die Gewinnspielaktion startete. Man kann gut erkennen, dass es danach sehr schön in die Höhe ging und derzeit ist noch keine Ende in Sicht!
Natürlich muss man bei der Ursachenforschung ein bisschen aufpassen, denn man weiß nicht, welche sonstigen Aktionen in der Zeit gelaufen sind.
Wieviele Links wurden aufgebaut?
Insgesamt wurden von Beginn des Gewinnspiels bis zum heutigen Tage rund 100 Blogbeiträge dazu veröffentlicht und von Google indexiert. Eigenartigerweise führten diese Links kaum zu einer Erhöhung der Domain-Popularität. Auch die Gesamtzahl der Links ist relativ konstant geblieben.
Merkwürdig ist ein Abfall der IP-/Domain-Pop eine Woche vor dem Gewinnspiel. Wer weiß, womöglich wurde eine große Zahl an teuer gemieteten Links durch die “organischen Gewinnspiellinks” ersetzt?
Auffällig ist an der Veränderung des Linkprofils auch die Steigerung der Links, die ein relevantes Keyword als Linktext enthalten.
Risiko: Genaue Vorgabe von Linktexten
In diesem speziellen Fall wurde als Teilnahmebedingung den Bloggern und Webmastern ein vorgefertigter Text inkl. Verlinkungen einzelner Keywords zu gezielten Unterseiten, sowie der Startseite als ready-to-use HTML-Code angeboten. Dieser solllte zur Teilnahme 1:1 in den eigenen Blog oder die eigene Webseite integriert werden.
Ich halte diese Vorgehensweise für einen schweren Fehler, daher bin ich auch so interessiert am weiteren Verlauf der Rankings. In meinen Augen sicher ist, dass durch die Verwendung des immer gleichen Snippets die Kraft der einzelnen Links nicht so stark ist, wie bei einer “organisch wirkenden” freien Verlinkung verschiedenster Texte und Zielseiten. Wenn man nach einem Textausschnitt des Snippets sucht, greift schon der Duplicate Content Filter bei Google und man bekommt zuerst nur 13 Ergebnisse angezeigt. Daher gehe ich fest davon aus, dass auch die Links nicht 100% ziehen.
Zum anderen ist die exakte Vorgabe von einzelnen Keywords und Zielseiten in meinen Augen ein Risiko.
Warum sollte Google diese Aktion nicht abstrafen? Handelt es sich doch mehr als offensichtlich um eine Maßnahme zur gezielten Steigerung einzelner Keyword-Rankings.
Funktioniert es trotzdem?
Wie man in beiden Graphen schön sehen kann, ziehen die vorgefertigten Keywordlinks scheinbar dennoch. Beide Keywords waren relative Neueinsteiger und haben sich nach der Aktion in den ersten 20 Ergebnissen festgesetzt.
Wer weiß, wie lange noch – und schwer zu sagen, was bei einer freieren Verlinkung aus der Sichtbarkeit geworden wäre.
Fazit und Tipps zu Gewinnspiel-Linkbaits
Ich denke die Aktion ist nicht schlecht gelaufen, man hätte aber noch eine Menge besser machen können. Vor allem machen bei solchen Aktionen meist kaum “Top-Blogs” oder besonders starke Webseiten mit. Eine genaue Auswertung der Linkstärke, der aufgebauten Links wäre sicher noch spannend.
Kreativität wird in der Regel bei Linkbaits belohnt, also statt einen starren Text vorzugeben, damit möglichst viele einfach teilnehmen können, verlangt den Teilnehmern ruhig etwas ab. Diese sollen sich kreativ mit dem Produkt auseinandersetzen und individuell verlinken!
Selbstverständlich braucht man einen Anreiz, der groß genug ist, Leute zum Mitmachen zu animieren. Das muss nicht zwangsläufig etwas von großem materiellen Wert sein. Auch hier hilft Kreativität, womöglich kann man etwas anbieten, dass man sonst nicht bekommen kann, auch nicht mit einer Menge Geld.
Wenn ich mal wieder ein bisschen Zeit finde, werde ich eine Liste zusammenstellen, was man aus meiner Sicht für einen erfolgreichen Linkbait beachten sollte.
Jetzt freue ich mich über Meinungen und Anregungen von allen Seiten, also schreibt gerne in den Kommentaren, was ihr von Gewinnspielen zu Linkbuildingzwecken haltet. Habt ihr schon Erfahrungen damit gemacht?
Die Daten und Screenshots stammen aus der SISTRIX Toolbox.
Update: Martin Mißfeldt hat in seinem Artikel: Linkbait-Analyse: Warum der SEO-Contest “iPhone4Spiel” floppt einen ANDEREN aber wirklich missratenen Linkbait in Form eines SEO-Contest analysiert und beleuchtet!
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15 Kommentare
Der nette SEO - 18. Juni 2010
Ein ziemlich gefährliches Spiel, was da betrieben wurde. Sinnig ist eigentlich nur, wenn man den Leuten klar sagt, dass es egal ist was diese verlinken. Zumal ja eigentlich schon fast klar ist, dass Top-Blogs nur selten an Gewinnspielen teilnehmen.
Mich würden einmal die Kosten für das Gewinnspiel interessieren, weist du dazu was?
Viele Grüße,
Nils
Kai - 19. Juni 2010
Hi Nils, genau kann ich das natürlich nicht sagen. Die Sachpreise lagen bei einem Warenwert von rund 1.500 EUR. Darüberhinaus muss man natürlich noch das Personal für die Abwicklung, die Texte und die Promotion der Aktion einrechnen.
Ich würde grobgeschätzt also auf einen Preis pro Link von etwa 25 EUR kommen.
pietbonn - 19. Juni 2010
Die feste Vorgabe eines individuellen Linktextes kann sich imho sehr positiv auswirken, wenn man weiß man will und das technisch elegant löst. 100 identische Linktexte sind natürlich nicht das Gelbe vom Ei, klar. Wer sich hier nicht sicher ist, sollte den Teilnehmern lieber freie Hand bei der Wahl der Verlinkung lassen.
Zur Steigerung des Linkbaits eignen sich soziale Komponenten gut, hier ist Kreativität gefragt
Diese “One Notebook one Child”-Sache fand ich z.B. gut, da hat man – soweit ich mich richtig erinnere – mit dem Kauf eines Notebooks nicht nur sein Eigenes, sondern auch direkt ein Weiteres als Spende bezahlt. In dieser Richtung lässt sich die Resonanz sicherlich erhöhen.
Kai - 19. Juni 2010
Hi Pietbonn, sicherlich sind Verlinkungen mit exakten Keywords im Linktext zunächst einmal gut fürs Ranking. Aufpassen muss man eben, wie Du auch richtig sagst, dass es nicht zuviele identische Linktexte werden. In diesem Beispiel enthielten alle Beiträge drei exakt gleiche Links inkl. Zielseiten und exakt gleiche Texte.
Ich denke auch, wenn man zur Bedingung macht, dass über die Aktion oder das Produkt berichtet werden soll, wird ja ohnehin verlinkt. Wer schreibt schon einen Artikel zu XY und linkt dann nicht drauf, das ist ja Quatsch. Der Vorteil hierbei ist, dass man individuelle Texte und organischere Verlinkungen erhält, die vielleicht nicht genau die Keywords oder die gewünschten Zielseiten enthalten, langfristig aber viel stärker ziehen und in meinen Augen nicht die Gefahr einer Entwertung oder gar Bestrafung mit sich ziehen.
Alex - 19. Juni 2010
Hallo Kai,
toller Artikel und spannendes Thema! Werde demnächst die verschiedenen Möglichkeiten eines Linkbaits in meinem Blog besprechen und über ein aktuelles Projekt im Online Marketing Podcast berichten.
Allerdings werde ich de Thematik mit Augenmerk auf den Köder an sich behandeln.
Freue mich auf weitere Ausführungen deinerseits.
Kai - 19. Juni 2010
Hallo Alex, freue mich auf Anregungen deinerseits. Ich werde, sofern dafür Zeit ist, einen Linkbait exemplarisch planen und alle Überlegungen in einem Artikel darlegen. Freue mich auf Diskussionen
Wäre auch ein schönes Thema für eine Sendung beim OnlineRadar!
Torsten von webanalyser.de - 20. Juni 2010
Hallo Kai,
interessante Auswertung. Das Problem mit den Linktexten könnten man elegant umschiffen, indem man 10-20 Kurztexte mit Links zum Einbinden vorbereitet und diese per Zufallsgenerator anzeigt. So bekommt man einerseits eine Steuerung der Linktexte hin, andererseits reduziert man DC.
Kai - 20. Juni 2010
Hehe Torsten, da hast du jetzt was aus meinem nächsten Artikel vorweg gegriffen. Ich halte dies ebenfalls für eine sehr gute Möglichkeit. Werde hierfür in Kürze ein kostenloses Tool bereitstellen ;o)
florian - 21. Juni 2010
moin kai, interessante analyse! ich bin schon auf den “how-to linkbait” artikel gespannt
SEOnaut - 29. Juni 2010
Das mit der Vorgabe ist doch ein alter Schuh und ein oft gemachter Fehler. Links aus einem gewinnspiel sollten thematisch in eine Kategorie der Informationsarchitektur eingebaut werden um das Thema semantisch zu fixen. Dadurch wird der Bereich mit Linkjuice aus den Gewinnspiel versorgt. Nach dem Gewinnspiel 2-3 starke Links mit passenden Texten setzen und “bäng”. Nicht immer einfach auf das Ziel losrennen.
Chris - 4. August 2010
Mir ist die Aktion damals auch aufgefallen und ich fand den vorgefertigten Text bzw. HTML-Code schon sehr grenzwertig, zumal die verlinkten Keywords 1. sehr viele und 2. alle sehr allgemein waren. Interessanterweise funktioniert die Aktion aber bis heute sehr gut. Man könnte also sagen “billig rankt gut”. Auf der anderen Seite machen bei solchen engen Vorgaben im Grunde nur Hardcore-Gewinnspielblogger mit und man hätte mit weniger Regeln sicher doppelt soviele Links erreicht. Gutes Gegenbeispiel ist gerade die clever gemachte Schuhflatrate-Kampagne von Zalando.
Johannes - 5. Oktober 2010
Meinst du wirklich, dass sowas langfristig ist? Ich denke, wenn man das im großen Stil macht erkennt Google das und stragt ab. Ich habe eben mal die Linkstruktur von einer Seite analysiert, die Gewinnspiele & Produktsponsoring für Reviews als Hauptlinkaufbauquelle nutzt:
w w w getdigital.de Die Linksstruktur ist eigentlich super – trotzdem rankt die Seite sau schlecht.
Ich denke, dass durch Semantik ein Beitrag recht schnell in die “Gewinnspiel zum Linkaufbau” Ecke eingeordnet werden kann, und die Links entwertet (Seite abgestraft) werden können. Ebenso bei Produktreviews.
- Oder wie würdest du dir in diesem Paradebeispiel das Ranking erklären?
Kai - 5. Oktober 2010
Hallo Johannes,
also gut gemachte Gewinnspiele sind durchausgeeignet um langfristigen Erfolg zu erreichen. Es darf halt niemals die einzige Form des Linkaufbaus sein. Auf die Mischung kommt es an. Was getdigital angeht: Die Seite rankt nicht schlecht… Für welche Keywords hast du denn das Gefühl, sollte sie ranken, tut aber nicht, dann kann ich Dir evtl. sagen woran es liegt. Insgesamt kann man onPage sicher noch das Eine oder Andere verbessern und sie hat halt kaum Keyword-Relevante Linktexte. Aber Potential ist da und das liegt, soweit ich sehen kann, nicht an einer Abstrafung wegen Gewinnspiellinks.
Johannes - 5. Oktober 2010
Insbesondere bei dem Keyword “Gadgets” hatte ich nach einer so beeindruckenden Linkstruktur mehr erwartet (Finde ich gar nicht in den Ergebnissen). Klar Keyword Links sind wenig vorhanden, aber das sehe ich seit dem “Brand Update” eher als Vorteil. Wenn wir mal Keywords wie “Autos, Immobilien etc” betrachten erscheinen hier ebenfalls fast nur noch große Seiten, die tasächlich größtenteils natürliche Links haben und somit kaum mit den Keywords verlinkt werden, für die sie ranken. Konkretes Beispiel wäre mobile.de für “Autos” – Habe hier keinen Link mit dem Achor Text “Autos” gefunden, obwohl die Seite auf Platz 1 für das Keyword rankt.
Getdigital habe ich mit Xovi analysiert. Da das Tool noch recht jung ist, kann man den historischen Verlauf natürlich nicht ausrechend analysieren. Würde mich aber brennend interessieren, was Google an der Seite stört. Die Verlinkung sieht für mich einfach super natürlich & stark aus + viele echte Authority Links (FAZ.net …) – Wie gesagt wäre dieser Gewinnspiel Aspekt das einzige was ich gefunden hätte, woran man sich stören könnte. Dabei ist es zwar wesentlich cleverer als üblich gemacht, aber die Masse ist natürlich eine andere.
Andreas Herrmann - 7. November 2010
Ich denke, dass hier wieder mal die Dosis das Gift ist. Alles was maßvoll betrieben wird, also lieber weniger als zuviele “Textlinks” wird sich langfristig bei einer Optimierung bezahlt machen.
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